Auf ein Wort

Grafik: GEP

Die Jahreslosung 2019 schickt uns auf die Jagd. „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Einer meiner Freunde ist Jäger. Ein Jäger hält Ausschau, liegt auf der Lauer, wartet geduldig, schlägt zu, wenn er meint, erfolgreich sein zu können. Seine ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf das Ziel. Jagen ist Konzentration auf dieses Ziel. Jede Ablenkung verhindert den Erfolg.

Frieden kommt nicht von allein. Er will aktiv und engagiert gefördert werden. Geh auf den anderen zu. Reich ihm die Hand. Öffne ihm dein Herz. Sei ein Brückenbauer. Brückenbauer zwischen Alt und jung. Brückenbauer zwischen den Konfessionen. Brückenbauer zwischen den  Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Geh auf den anderen zu. Suche nicht nach Gelegenheiten, den anderen seine vermeintlichen oder tatsächlichen Fehler um die Ohren zu hauen. Sei großzügig und vermeide unnötigen Streit. Lass es nicht eskalieren. Wenn Konflikt, dann suche einen tragfähigen Kompromiss, der keinen zum Sieger und andere zu Verlierern macht. Versuche zu vermitteln statt zu vermiesen. Führe Menschen zueinander statt auseinander.

In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Der Friede ist mehr als ein schöner Gedanke. Der Friede packt zu und durchbricht jede Schranke…Der Friede ist dort, wohin wir ihn tragen. Wir müssen nur selbst den ersten Schritt wagen.“ Ja, im Kleinen beginnen. Den Alltag zum Trainingslager für den Frieden machen. Frieden ist Beziehung. Frieden mit mir selbst, weil ich mich annehmen kann. Frieden in der Familie, in der Nachbarschaft. Frieden in der christlichen Gemeinde. Frieden zwischen Staaten. Friede ist immer auch zerbrechlich, leichter zerstört als geschaffen.

Vor einigen Wochen haben wir des 9. November 1989 gedacht. Der erfolgreichen friedlichen Revolution in Deutschland. „Keine Gewalt“ – so die Sprechchöre bei den Demonstrationen in Leipzig, nachdem zuvor die Nikolaikirche den Friedensbetern Raum gab.
In dem Roman „Nikolaikirche“ von Erich Loest sagt ein ranghoher Stasioffizier, als er auf den Demonstrationszug schaut: „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

An Kain und Abel, dem ersten Bruderpaar in der Menschheitsgeschichte, wird deutlich wie sehr Eifersucht und Neid zu zerstörten Beziehungen führen können. Der eine gönnt dem anderen „keine Schnitte“. Jesus hat das zurückgeführt auf das Zentrum des Menschen, wenn er sagt: „Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen Gedanken, die böse sind…
Mord…Habgier, Bosheit, Hinterlist…Missgunst…Überheblichkeit.“ (Markus 7, 21f. nach Neue Genfer Übersetzung)

Ein Vater möchte in Ruhe Zeitung lesen. Um das zu können, gibt er dem quengelnden Sohn ein Blatt aus der Zeitung, wo eine Weltkarte drauf ist. Er schneidet sie in kleine Stücke. Der Junge soll nun die Puzzle-Teile wieder zusammenfügen. Das geht schneller als gedacht. Er hatte nämlich die Rückseite der Puzzle-Teile genommen, auf der das Gesicht eines Menschen zu sehen war. Das war einfacher als die ganze Welt zusammen zu legen.

Wenn der Mensch heil wird, kann die Welt heil werden. Der Friede beginnt in mir und zieht andere mit hinein. „Suche den Frieden und jage ihm nach.“ Da werden wir ganz persönlich angesprochen. Und Paulus toppt das nochmal, wenn er an die Christen in Ephesus schreibt: „Ja, Christus selbst ist unser Frieden.“ (Epheser 2,14)  Das ist der Dreiklang des Friedens:
mit Gott, mit uns selbst, mit den anderen.

Es gibt nur eine einzige Einschränkung, die einem  friedlichen Miteinander entgegensteht.
„Wenn es möglich ist und soweit es an euch liegt, lebt mit allen Menschen in Frieden“, schreibt Paulus (Römer 12,18). Wenn es möglich ist… Scheinbar ist es nicht immer und mit jedem möglich. Zum Frieden gehören mindestens zwei.
Vor einiger Zeit sah ich es tatsächlich auf einem großen Schild, für jeden lesbar, der auf dem Fußweg vorbei ging: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Übrigens stammt das Zitat  aus dem Wilhelm Tell von Friedrich Schiller. Ich kannte die Geschichte dieser Nachbarschaft. Nur, mein Eindruck war, dass der vermeintlich böse Nachbar gar nicht der böse Nachbar war. Da hatte wohl einer die Rollen vertauscht. Sei´s drum. Ja, es gibt Blockaden für den Frieden.

Ansonsten aber gilt die Jahreslosung. Uns sollte das Jagdfieber packen. Und wenn das Suchen nach Frieden manchmal auch nur ein Versuchen ist. Aber das sollte es mindestens sein. Weniger geht gar nicht.

Matthias Ekelmann

Herrnhuter Losung

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